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Aurum Roses
Laudatio von Andrea M. Kluxen
Kulturreferentin des Bezirks Mittelfranken
Die Jury für die Ortung 2011 war sehr beeindruckt von der hohen Qualität der ausgestellten Werke, …
Nach eingehender Diskussion hat die Jury den Kunstpreis der Stadt Schwabach 2011 einstimmig der Künstlerin Dana Widawski für ihre Arbeit „Aurum Roses“ zugesprochen.
Dana Widawski … (zur Person)
Dana Widawskis Werk „Aurum Roses“ befindet sich im Holzschuppen der Rechtsanwaltskanzlei Fürbeth und wurde von der Jury ausgewählt, weil hier inhaltlich, raum- und materialbezogen ein Thema in außerordentlich konsequenter Weise umgesetzt wurde.
Man betritt einen etwas heruntergekommenen Holzschuppen und wird empfangen von einer in fast mystisches Licht getauchten hochwertigen Schablonenmalerei al fresco, die auf verputzen Wandteilen über vergoldeten Ziegelmauern angebracht ist. Die scheinbar endlose Wiederholung des symmetrischen kleinen Musters wie auch größerer rechteckiger Abgrenzungen mit jeweils mittig angebrachten Medaillons erinnern an kostbare Fragmente von Palast- oder Villenausstattungen. Widawski hat hier ein eigens für Schwabach entwickeltes Ornament mit Goldschlägerhämmern geschaffen, das die Folie bildet für rocaille-gerahmte Porträtmedaillons im Rapport.
Der Betrachter fühlt sich wie ein Entdecker, der einen wertvollen Raum, einen Schatz entdeckt hat, der einen ästhetischen Sog provoziert. Man wird unweigerlich mitten in ein suggestives Werk hineingezogen. Die Künstlerin versteht sich auf exakt durchformulierte Korrespondenzen mit dem Umraum. Präzis geordnete Bezüge, Symmetrien und Lichteinsatz verleihen dem Raum eine zusätzliche sakrale Aura. Dieser Stimmung dient auch eine kleine museale Vitrine mit einem – wenn auch falschen – Goldbarren.
Nach dem Staunen über Ästhetik und Werthaftigkeit stellt sich allerdings die Frage nach Wesen und Berechtigung des Ornaments. Das Ornamentale hat hier keine dienende Funktion und auch nicht nur dekorativen ästhetischen Wert, sondern wird im Bezug zu Kontext, Ort und Raum entwickelt und ist essentiell notwendig für die inhaltliche Rezeption.
So wird der Betrachter zunächst im Formalen die Gegensätzlichkeiten von hochwertiger Malerei, Ornament und Gold im Verhältnis zu einem morbide anmutenden Ort eines verfallenden Schuppens spüren. Diese Brechungen setzen sich dann im Inhaltlichen fort, das dem Rezipienten – je länger er verweilt – immer stärker bewusst wird.
Aus Fundierung und Formulierung des Ornamentalen entsteht die konzeptionelle Position. Denn erst bei näherem Betrachten bzw. Nachdenken schlägt das ästhetische Erleben um in erschütternde Erkenntnis.
So zeigen die Medaillons Porträts von Kindern, die in Goldminen arbeiten. Überhöht durch den Goldgrund kommen Assoziationen von Heiligen- oder Märtyrerbildern auf, die den Porträtierten die Würde zukommen lassen, die ihnen tagtäglich in den Goldminen verweigert wird.
Hier setzt die politische und gesellschaftskritische Dimension der Arbeit an. Gold, das unter schlimmsten Bedingungen gefördert und gehandelt wird, war immer auch Symbol für Gier und Verderben, wie beim alttestamentarischen „Goldenen Kalb“ oder dem mythologischen König Midas. Auch Widawskis Werk klagt diese Dimension des sagenumwobenen, faszinierenden, seit Jahrtausenden begehrten Materials an und findet ein modernes Zeichensystem für die Gegenwart.
Der Titel des Werks, der auf einem Holztäfelchen in goldenen Lettern zu lesen ist, blendet den unbedachten Betrachter zunächst, interpretiert dieser „Aurum Roses“ doch zunächst als „goldene Rosen“. Aber denkt und forscht man weiter, so entpuppt sich „Aurum Roses“ als Name einer ugandischen Firma, die nach einem Expertenbericht des UN-Sanktionskomitees das Blut vom Gold aus dem Kongo wäscht, das dann auch hierzulande weiterverarbeitet wird..
Die Künstlerin hat hier also einen Ort, einen Denkraum geschaffen, der gegenwärtige Diskurse über Kapitalismus, Hungersnöte oder Kinderarbeit, aber auch über Wert und Würde des Lebens thematisiert.
Dana Widawski hat mit „Aurum Roses“ ein komplexes Werk in einer adäquaten ästhetischen Sprache geschaffen, das ein vielschichtiges Bezugssystem zum Betrachter herstellt, ganz verschiedene Ebenen anspricht, mannigfache Reflexionen auslöst und unterschiedlichste Deutungszusammenhänge generiert. All dies ist stimmig in einem vorgegebenen Raum unter formal und inhaltlich überzeugender Verwendung des Materials Gold umgesetzt.
Dafür wurde Dana Widawski der Kunstpreis der Stadt Schwabach 2011 zuerkannt.
Andrea M. Kluxen
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